Zwischen Mitgliederwünschen, rechtlichen Neuerungen und der dauerhaften Suche nach engagierten Ehrenamtlichen – die Anforderungen an Sportvereine sind vielschichtig geworden. Für Funktionärinnen und Funktionäre bedeutet das: Neben dem eigentlichen Kerngeschäft, dem Sportbetrieb, müssen zunehmend auch strategische und organisatorische Fragen bewältigt werden. Besonders die großen Sportvereine im Land Brandenburg stehen dabei vor komplexen Herausforderungen.
Jährlicher Austausch im „Haus des Sports“
Um sich diesen Fragestellungen gemeinsam zu widmen, laden der Landessportbund Brandenburg und die Europäische Sportakademie Brandenburg (ESAB) einmal im Jahr zu einem Seminar für Großvereine ein. In diesem Jahr fanden sich rund 30 Vereinsvertreterinnen und -vertreter im Potsdamer „Haus des Sports“ zusammen. Unter dem Titel „Gesunde Strukturen, starke Führung“ tauschten sie sich zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, praktischen Erfahrungen und neuen Impulsen für die Vereinsarbeit aus.
Zwischen Sorge und Zuversicht: Der Blick auf aktuelle Rahmenbedingungen
Zur Eröffnung des Seminars richtete sich LSB-Vorstandsvorsitzender Andreas Gerlach an die anwesenden Vereinsvertreter:innen. Er bekräftigte die fortgesetzte Unterstützung des Landessportbundes und nahm zugleich Stellung zu Verunsicherungen rund um sich verändernde politische und rechtliche Bedingungen. Dabei mahnte er eine differenzierte Betrachtung an: Es gelte, „zwischen Panikmache und tatsächlichen Risiken“ zu unterscheiden.
Die medial breit diskutierte mögliche Besteuerung von Mitgliedsbeiträgen ordnete Gerlach der ersten Kategorie zu und zeigte sich überzeugt: Eine solche Regelung werde nicht kommen. Anders bewertete er den Vorstoß der Rentenkommission, die Minijob-Regelung abzuschaffen. Aus seiner Sicht gebe es kaum eine unverständlichere politische Maßnahme – eine Position, die er nicht allein vertrete. Vielmehr handle es sich um eine gemeinsame Haltung des organisierten Sports in Deutschland, der geschlossen gegen dieses Vorhaben eintrete.
Ehrenamt bleibt größte Baustelle der Vereine
Hintergrund dieser Debatte ist der anhaltende Rückgang an ehrenamtlichem Engagement in den Vereinen. Laut Angaben des DOSB verloren Sportvereine allein zwischen 2014 und 2019 rund eine Million ehrenamtlich Engagierte. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich dieser Trend nicht wesentlich abgeschwächt hat: Im Sportentwicklungsbericht 2025 der Deutschen Sporthochschule Köln benannten knapp zwei Drittel der befragten Vereine die Gewinnung und langfristige Bindung von Ehrenamtlichen als ihre drängendste Herausforderung.
Strukturen und Führung als Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit
Entsprechend rückte das Thema Ehrenamt auch beim Brandenburger Großvereins-Seminar in den Mittelpunkt. Die beiden inhaltlichen Schwerpunkte der Veranstaltung – „Engagement langfristig sichern“ sowie „Führungsstruktur und Vereinsphilosophie“ – griffen die Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Im Zentrum stand dabei, wie Vereine ihre personellen und organisatorischen Strukturen so weiterentwickeln können, dass sie auch künftigen Anforderungen gewachsen sind.
Mit dem jährlichen Seminarformat unterstützt die ESAB gemeinsam mit dem Landessportbund Brandenburg die Großvereine des Landes dabei, praxisnahe Lösungsansätze für den Vereinsalltag zu entwickeln – und stärkt so nachhaltig die Basis des organisierten Sports in Brandenburg.



